Vor fünf Jahren liessen sich im Kanton St. Gallen jährlich noch gut 350 Ehepaare mehr scheiden. Auch am Obersee sind die Scheidungszahlen rückgängig, wenn auch im geringeren Masse. Von einem klaren Abwärtstrend möchten Anwaltskanzleien jedoch nicht sprechen.
«Wir haben nicht weniger Scheidungen als bis anhin», sagt Scheidungsanwältin Sybilla Nemitz von der Kanzlei Ris und Ackermann in Jona. Allerdings habe sie hauptsächlich mit Paaren zu tun, die sich in einer strittigen Scheidung befänden. Es sei durchaus möglich, dass die Anzahl unstrittiger Scheidungen abgenommen habe. Scheiden ist teuer
Eine Erklärung für den Rückgang hat Anwalt Christoph Steffen von der Kanzlei Isler Partner in Rapperswil: «Eine Familie mit einem Haushalt ist eine wirtschaftliche Einheit. Ein Fernseher, ein Kühlschrank, eine Wohnung.» Im Falle einer Scheidung seien auf einmal zwei Haushalte nötig. Neben Anwalts- und Gerichtskosten müsse man auch für ein Zweitauto oder neue Haushaltsgeräte aufkommen. Für viele Familien mit Kindern sei das finanziell nicht tragbar und mit einschneidenden Verzichten verbunden, meint Steffen.
Mittlerweile besteht auch die Möglichkeit einer «Online-Scheidung». Für 800 Franken füllt ein Anwalt die Scheidungskonvention aus, die vom Paar unterschrieben und ans Gericht geschickt wird. Die Ehe kann somit innerhalb weniger Monate aufgelöst werden. Diese Variante wird selten genutzt. |