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Donnerstag, 29. Juli 2010
«Ich will den Dienst nachholen»
Stäfa/Hombrechtikon Militärvelorennen am 1. August
Meinrad Pfister ist Initiator des Militärvelorennens am 1. August in Stäfa. Was seine Ko-Organisatoren nicht wissen: Pfister ist Dienstverweigerer. Jetzt will er die restlichen Diensttage nachholen.
Frank Speidel
 
Dreimal pro Woche fährt Meinrad Pfister mit seinem 24-Kilo-Rad rund um den Zürichsee. (Reto Schneider)
 

Präsident: Kpl Ueli Badertscher; Wettkampf-Kommandant: Oberstlt Jürg Ochsner - nur beim Ko-Organisatoren des Militärvelorennens, Meinrad Pfister, ist im Programmheft kein Dienstgrad erwähnt. Pfister wurde aus der Armee ausgeschlossen, weil er nach drei Wiederholungskursen (WK) den Dienst verweigert hat - dies «aus Glaubensgründen», wie er sagt. «Das wissen meine Mitorganisatoren nicht», sagt Pfister, der die «ZSZ» zu einem Gespräch traf und damit sein Geheimnis publik macht.

Als Pfister die Idee hatte, am 1. August in Stäfa ein Militärvelorennen zu organisieren, wandte er sich an das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). «Ich war bei den Radfahrern», habe er jeweils auf die Frage nach seiner Militärkarriere geantwortet. Was auch stimmte, denn Pfister absolvierte bei den Radfahrern die Rekrutenschule und mehrere WKs. Doch dann habe er den Dienst mit seinem Glauben an Gott nicht mehr vereinbaren können. Als er den Marschbefehl für den nächsten WK in den Händen hielt, teilte er seinen Vorgesetzten telefonisch mit, dass er nicht einrücken werde.

Vier Polizisten vor der Haustür

Die Vorgesetzten riefen nicht zurück. Sie sandten eine andere Botschaft. Am Morgen, als Pfister hätte einrücken sollen, klingelten zwei Kantons- und zwei Militärpolizisten an seiner Haustür. Pfister wurde ins Gefängnis gebracht. Noch am gleichen Tag konnte er bei einer Untersuchungskommission vorsprechen, am Abend war er wieder ein freier Mann. Pfister wurde an dem Tag vom Angehörigen der Armee (AdA) zum Ausgeschlossenen der Armee.

«Aus der Armee auszutreten, war ein Fehlentscheid», sagt Pfister heute. Er habe die Präambel der Bundesverfassung und den Bundesbrief gelesen. Die Lektüre habe seine Meinung geändert. Der Bundesbrief beginnt mit den Worten «in Gottes Namen». Das Land im Ernstfall zu verteidigen, sei deshalb mit seinem christlichen Glauben vereinbar, denkt Pfister heute. «Ich bin ein Patriot», sagt er. Mit dem Militärvelorennen wolle er sich zu seiner Heimat, der Schweiz, bekennen.

Exotisches Velo, exotische Fliege

Gemeinsam mit der Sektion Zürich des Schweizerischen Verbandes der Mechanisierten und Leichten Truppen (SVMLT) organisiert er das Rennen. Pfister ist gespannt, wie der Präsident der SVMLT-Sektion Zürich, Ueli Badertscher, und der Kommandant Jürg Ochsner reagieren werden, wenn sie erfahren, dass ihr Ko-Organisator ein Dienstverweigerer ist. «Damit der Anlass zustande kommt, habe ich alles verschwiegen», sagt Pfister. Jetzt will er seine verbleibenden Diensttage nachholen. «Am 2. August schicke ich den Brief mit meinem Antrag für eine Wiederaufnahme in die Armee ab.»

Die Radfahrertruppe wurde inzwischen abgeschafft. Fit genug dafür wäre der 56-jährige Pfister wahrscheinlich auch heute noch. Dreimal pro Woche fährt er mit seinem 24-Kilo-Rad rund um den Zürichsee. Die Hightech-Biker, denen er auf seinen Touren begegnet, seien jeweils erstaunt, wenn sie sehen, wie schnell er mit dem Militärvelo vorwärtskommt. Sein Lieblingsvelo ist nicht alltäglich. Exotisch ist auch Pfisters Krawatte, die «Fliege». «Ich werde sie für das Foto anbehalten», sagt er, «die habe ich immer an. Das bin ich.»


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