Ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, sei etwas vom schwierigsten, sagt Florian Vogel. «Nirgends ist die Konkurrenz grösser, und es bieten sich nur wenige Gelegenheiten», begründet der 28-Jährige. Nur sechs Weltcup-Rennen stehen diese Saison auf dem Programm, jenes in Champéry war das vierte. Nie siegte der gleiche Fahrer. Bisher - Vogel würde dies am kommenden Samstag beim Weltcup-Stop in Val di Sole, also jenem Parcours, auf dem er 2008 Vizeweltmeister geworden war, gerne ändern. «Um zu gewinnen, braucht es natürlich auch das nötige Quäntchen Glück. Aber das Streckenprofil liegt mir, und die Form ist sehr gut.»
Der in Rapperswil-Jona wohnhafte Aargauer hat nach seinem Erfolg beim Heim-Weltcup im Wallis vom Sonntag allen Grund zur Zuversicht. Sein Sieg auf der WM-Strecke von 2011, die im Fahrerfeld als schwierigste der Saison gehandelt wird, fiel überzeugend aus. Er setzte sich zusammen mit Europameister Jaroslav Kulhavy früh vom Feld ab und liess den Tschechen im letzten Aufstieg förmlich stehen. «Die Genugtuung ist riesig», freut sich der Bikeprofi, der in der Vergangenheit schon so oft als Zweiter oder Dritter ins Ziel gefahren war. Er habe zwar nie den Glauben daran verloren, grosse Rennen gewinnen zu können. Dennoch tue es enorm gut, dies jetzt bestätigt zu wissen. Eine grosse Feier gab es aber nicht. «Die Zeitspanne zum nächsten Rennen ist schlicht zu knapp.» Positive Erinnerungen
Inwiefern die positiven Gefühle, die er aus Champéry mitnehmen durfte, die folgenden Rennen beeinflussen werden, ist für Florian Vogel schwierig abzuschätzen. Aus Erfahrung weiss er aber, dass positive Erinnerungen von Vorteil sind. «Man kehrt lieber auf Strecken zurück, auf denen man gute Resultate vorzuweisen hat. Das trifft auf Val di Sole genauso zu wie auf Champéry, wo ich nächstes Jahr unbedingt den Weltmeistertitel erringen will», verrät der gelernte Polygraf. Der Gewinn der Goldmedaille an der Heim-WM wäre ein absolutes Karrierehighlight für Vogel - und würde ihm zugleich das Ticket für London 2012 bescheren. Es wäre seine zweite Olympia-Teilnahme nach Peking 2008.
Gut möglich allerdings, dass er sich den Traum vom Regenbogen-Trikot schon diese Saison erfüllen kann. Mit seiner Leistung vom Wochenende hat sich der Rapperswil-Joner zu einem der Topfavoriten gemausert - zumal auch an der WM im kanadischen Mont-Saint- Anne (31. 8. - 5. 9.) auf einem sehr anspruchsvollen Kurs gefahren wird. «Bisher gelang mir dort zwar kein Exploit, aber ich glaube, dass ich am Sonntag bewiesen habe, dass ich überall gewinnen kann.» Zukunft bis 2014 gesichert
Unter erhöhtem Erfolgsdruck fühlt sich Vogel aufgrund seines zweiten Weltcup-Erfolges nicht. Dazu besteht auch kein Grund. Seine Zukunft als Profi ist bereits gesichert. Vergangenen Freitag verlängerte der begeisterte Hobbykoch und Kaffee-Trinker seinen Vertrag beim Scott-Swisspower MTB Racing Team, für das er seit 2002 in die Pedalen tritt, bis 2014. Was danach kommt, ist offen. «Nicht, dass ich vorhabe, dann aufzuhören. Aber weiter vorauszuplanen, macht keinen Sinn», begründet Vogel.
Wenig Sinn hätte für ihn auch ein Teamwechsel gemacht. «Ich dachte zwar kurz über eine Luftveränderung nach, kam aber schnell zum Schluss, nirgends bessere Bedingungen geboten zu erhalten.» Im vom Feldbacher Thomas Frischknecht gemanagten Team sind Betreuung und Material top. Zudem sei es von Vorteil, dass es in unmittelbarer Umgebung stationiert ist. Dies hat umso grössere Bedeutung, als der 28-Jährige im Herbst erstmals Vater wird. |