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SPORT / Freitag, 23. Juli 2010
Von Adliswil bis Rio de Janeiro
Badminton Jenny Kobelt und Simone Jegge gehört beim Sihltaler NLA-Klub die Zukunft
Jenny Kobelt und Simone Jegge gehören zu den besten Badmintonspielerinnen ihres Alters. In Adliswil werden die Juniorinnen für die NLA aufgebaut ? unter anderem mit Einsätzen im Europacup.
Stefan Kleiser
 
Der BC Adliswil setzt auf die Nachwuchsspielerinnen Simone Jegge (links) und Jenny Kobelt. (Stefan Kleiser)
 

Jenny Kobelt ist klein und zierlich, ihre Paradedisziplin das Doppel. Simone Jegge ist gross und von kräftiger Statur, sie ist eine Einzel-Spielerin. Die beiden Teenagerinnen mit Jahrgang 1993 sind die kommenden Spielerinnen im BC Adliswil. In einem Jahr sollen sie reif sein für regelmässige Einsätze im Nationalliga-A-Team. Das Debüt in der höchsten Spielklasse haben beide schon hinter sich. Und vor vier Wochen vertraten Simone Jegge und Jenny Kobelt mit Adliswil die Schweiz am Europacup-Turnier.

Wenn die Talente von den Tagen in Holland reden, geraten sie aus dem Häuschen. «Mega lässig» sei es gewesen, erinnert sich Jenny Kobelt. Als «ein Highlight, das Schub gibt», bezeichnet Simone Jegge die Europacup-Teilnahme. Kobelt schwärmt von der tollen Stimmung im Team, das ans Meer reiste und gemeinsam kochte. «Und ich durfte viermal spielen!» Zweimal ging die Junioren-Nationalspielerin als Siegerin vom Feld. Auch Jegge erzielte bei zwei Einsätzen eine ausgeglichene Bilanz. «Ich ging nicht davon aus, dass ich gewinnen würde», freut sie sich.

Nationalteam und ein Jahr out

Der Einsatz in Zwolle war für die jungen Spielerinnen in erster Linie eine Belohnung - für die 16 bis 20 Stunden, die sie jede Woche trainieren. Die Sportschülerinnen haben Grosses vor: Sie wollen ins Nationalteam berufen werden und an internationalen Turnieren für die Schweiz antreten. Kobelt nennt gar die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro als persönliches Ziel. Letzte Saison spielte sie noch 1. Liga.

«Wir versuchen, die beiden parallel aufzubauen», erklärt Martin Suter, Manager des Adliswiler NLA-Teams. Doch Kobelt startet mit einem Vorsprung ins Förderprogramm. Sie ist bereits Junioren-Nationalspielerin, hat in der Kategorie U17 schon internationale Turniere bestritten. Gerne würde sie 2011 an die U19-EM reisen. «Aber da dürfen nur vier Mädchen hin», weiss sie, «und ich bin im jüngeren Jahrgang.» Derzeit arbeite sie an der Verbesserung ihrer Angriffsschläge und an der Schnelligkeit, sagt sie. «Ich spiele gerne mit Varianten und Tempowechseln, und das sind auch meine Stärken.»

Simone Jegge dagegen verpasste die vergangene Saison. An einem Turnier in Deutschland verletzte sie sich schwer am linken Knie - gerade vor dem Sprung ins Nationalteam. Vorderes Kreuzband gerissen, Meniskus kaputt, Knorpelschaden. «Zehn Monate konnte ich keinen Sport machen», erinnert sich die bald 17-Jährige. Erst im Februar stieg sie wieder ein. «Ich habe zehn Kilogramm Muskelmasse verloren.» In Magglingen vor sechs Wochen der Schock: Nach einer Sprungübung schmerzte das Knie wieder - zwei Wochen lang. Jegge gibt zu: Das Vertrauen ist noch nicht wieder 100 Prozent da.

Sie bringen alles mit

Warum die beiden im BC Adliswil sind? «Adliswil ist der beste Trainingsklub, den du haben kannst», sagt Simone Jegge. Und der einzige Verein, der den Trainingsaufwand der Talente abdecken kann. «Adliswil ist in der Region Zürich der einzige Verein, in dem es bis nach oben geht», sagt Iwan Fuchs, Trainer von Simone Jegge und Jenny Kobelt im Regionalkader. In Wetzikon und Affoltern, wo Kobelt und Jegge ihre erste Lizenz lösten, gibt es nur Teams in der 2. Liga.

«In der 2. Liga habe ich ziemlich viele Spiele gewonnen», sagt Jenny Kobelt, «da nimmt es einen Wunder, wie weit nach oben es noch gehen kann». Und wann gehören Jegge und Kobelt fix zum Adliswiler NLA-Team? «Eine Saison wird es noch brauchen», meint Iwan Fuchs, «beide können es in der Schweiz ganz nach vorne schaffen, beide bringen mental gute Voraussetzungen mit, beide sind sehr ehrgeizig.» «Die Teilnahme am Europacup ist die Bestätigung, dass es geht», sagt Jenny Kobelt. «Wir haben schon recht viel erreicht für unser Alter», meint Simone Jegge, «viele erreichen das nie. Und ich würde gerne noch besser werden.»

 
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