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SPORT / Montag, 19. Juli 2010
Irene Pusterla tilgt Uralt-Rekord
Leichtathletik Tessinerin springt an den Meisterschaften 6,76 m
Hürdensprinterin Lisa Urech und Weitspringerin Irene Pusterla boten an den Schweizer Meisterschaften in Lugano zwei tolle Leistungen.
 
Mit 6,76 m sprang Irene Pusterla in Lugano einen neuen Schweizer Rekord. (key)
 

Die Emmentalerin Lisa Urech legte mit 12,84 Sekunden über 100 m Hürden eine europäische Spitzenzeit auf die Bahn, die Tessinerin Irene Pusterla tilgte den ältesten Schweizer Leichtathletik-Rekord. Mit 12,84 Sekunden steigerte die bald 21-jährige Urech ihre Bestzeit um über einen Zehntel, nimmt im europäischen Ranking Position 6 ein und ist bis auf acht Hundertstel an den von Julie Baumann seit 19 Jahren gehaltenen Schweizer Rekord herangekommen. «Ich habe gehofft, dass ich so schnell laufen kann», sagte Lisa Urech. Sie habe in den letzten Wochen wieder an Sicherheit gewonnen.

Noch mehr Jubel als Urechs Leistung wurde dem Exploit von Pusterla teil. Die Einheimische schrieb mit einem Flug auf 6,76 m Schweizer Leichtathletik- Geschichte. Die junge Tessinerin löschte den ältesten Schweizer Rekord und löst Meta Antenen ab. Die Schaffhauserin hatte 1971 an den EM in Helsinki mit 6,73 m Silber gewonnen.

Starke regionale Athleten

David Naef mit seinem ersten Titel im Diskuswerfen, Mario Bächtiger (Eschenbach) über 800 m, Sabine Fischer als Zweite über 1500 m und Angela Klingler mit dem dritten Platz über 400 m Hürden gewannen die Medaillen für die Athleten aus der Region.

Die Jubel-Affiche «Gold-Trio vom See - das gabs noch nie» von den letztjährigen nationalen Meisterschaften konnte kein weiteres Mal aufgezogen werden. Was nicht erstaunt. Mit Werferin Claudia Egli (Kugel, LG Küsnacht-Erlenbach) ist eine Leistungsträgerin zurückgetreten, und die 3000 m Steeple sind in diesem Jahr (mit den 10 000 m) vorgezogen worden (Anfang Juni in Uster). Also fiel auch Fabienne Schlumpf (TG Hütten) aus dem Kreis der Goldanwärterinnen (über 1500 m). Und Angela Klingler (LG Küsnacht-Erlenbach), die letztjährige Meisterin über 400 m Hürden, traf auf ausgesprochen harte Konkurrenz.

Gold und damit einen Titel gabs dennoch zu feiern. Die höchste Auszeichnung sicherte sich David Naef (28, ebenfalls LG Küsnacht-Erlenbach) im Diskuswerfen. Mit einer Weite von 53,39 m dominierte er die Konkurrenz schier nach Belieben. Mit allen seinen (gültigen) Versuchen hätte er sich auf der obersten Podeststufe wiedergefunden: 50,01 m, 51,35 m und im sechsten und letzten Versuch eben den 53,39 m. Unter Beweis stellen konnte Naef damit seine Fortschritte. Silber gewann er mit Weiten zwischen 56,52 m (2007) und 50,51 m (2009). Allerdings, von seinem persönlichen Rekord von 54,82 m von Anfang Juni blieb er schier 1,5 m entfernt. Und festzuhalten ist auch, dass mit Daniel Schaerer diesmal jener Konkurrent fehlte, der ihm jeweils vor der Sonne gestanden hatte - allerdings nur letztes Jahr (58,10 m) und vorletztes Jahr (54,93 m) mit besseren Weiten.

Fischer überspurtet

Mit zwiespältigen Gefühlen endete das 1500-m-Rennen für Sabine Fischer (LC Rapperswil-Jona / Lehrerin in Küsnacht). In einem taktischen Rennen bei grosser Hitze vermochte sie zwar die Tessinerin Tamara Winkler auf den letzten 150 m zu überspurten, an die Freiburgerin Valérie Lehmann aber kam sie jedoch nicht mehr heran. «Ich wollte zwar den Titel unbedingt gewinnen», erklärte die ehemalige Olympia-Finalistin (2000 / 9. Platz). Gleichzeitig durfte sie aber auch festhalten: «Ich bin jetzt auf die 5000 m ausgerichtet, und auf dieser Distanz sind andere Qualitäten verlangt.» Die Faktoren Schnelligkeit und Tempofestigkeit sprach sie an. Und bezüglich der EM-Teilnahme über die zwölfeinhalb Bahnrunden in der nächsten Woche in Barcelona zeigte sie doch, «dass ich bereit bin und schnell sprinten kann». Mit dem Rennen über die 1500 m liess es Sabine Fischer nicht bewenden. Nur rund zwei Stunden nach jenem Einsatz begab sie sich an die Startlinie über 5000 m. Ihrer Freundin Mirja Jenni wollte sie als Tempomacherin ebenfalls zur EM-Limite verhelfen. Trotz idealer Unterstützung von Fischer zeigte sich aber rasch, dass das Unterfangen scheitern würde. Jenni fehlte in der Hitze die Kraft und die Souplesse. Und Fischer hielt sich an ihre persönliche Vorgabe und stieg nach mehr als 4000 m aus. Die Aussicht auf einen möglichen Titelgewinn - nur Berglauf-Europameisterin Martina Strähl lief (ca. 80 m) vor ihr - reizte sie nicht.

Klingler: Genugtuung über Bronze

Ihren Überraschungscoup des letzten Jahres über 400 m Hürden nicht wiederholen konnte Angela Klingler. Mit einer Zeit von 59,77 Sekunden lief sie zwar bis auf vier Hundertstel an ihre Bestmarke heran. Wohl kostete sie der harte Gegenwind auf der Gegengeraden etwas zu viel Kraft. Erleichterung hingegen bedeutete der Platz: «Ich hätte auch Vierte werden können.» Mit den beiden Stadtzürcherinnen Sabrina Altermatt (57,94) und Petra Fontanive (59,55) fand sie aber zwei Bezwingerinnen. Lara Kronauer aber, in dieser Saison schon deutlich schneller, liess die 24-Jährige hinter sich.

Knapp (um 1,97 m) verpasste Angelina Haas (LG Küsnacht-Erlenbach) im Diskuswerfen den dritten Podestplatz - eine leise Enttäuschung, belegte sie doch von den Bestweiten her Position 3. «Ich warf etwas zu verhalten», bemängelte die 22-Jährige. Ebenfalls Platz 4 in der SM-Wertung belegte Langstreckler Lukas Stähli (LC Meilen). 3,90 Sekunden fehlten ihm nach 5000 m zu Bronze. Und ein Ausrufezeichen setzte eine Nachwuchsathletin: Livia Lederer (LG Küsnacht-Erlenbach) lief an der Spitze des B-Finals über 100 m Hürden. Aber, auf dem Weg zum Sieg und zu einer neuen Bestmarke, strauchelte sie am zweitletzten Hindernis. (si/gg)

 
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