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SPORT / Freitag, 16. Juli 2010
Diejenige, der die Zukunft gehört
Tischtennis Rahel Aschwanden vor der Jugend-EM und ihrer ersten Saison in Wädenswil
Sie ist 16-jährig, schon besser als fast alle anderen Schweizerinnen und spielt neu für den TTC Wädenswil. Ab heute tritt Rahel Aschwanden an der Jugend-EM an. Mit einem hohen Ziel.
Stefan Kleiser
 
«Ich mache noch viele Fehler. Aber das ist gut», sagt Rahel Aschwanden: «Es wäre schlecht, wenn ich nichts mehr verbessern könnte.» (swiss table tennis)
 

Rahel Aschwanden ist Gast auf Zeit. Beim Interviewtermin auf dem Weg von Luzern (wo der Freund wohnt) nach Bütschwil (dort sind die Eltern zuhause). Aber auch im TTC Wädenswil, für den Aschwanden ab 16. Oktober die NLA-Saison bestreiten wird. Noch zwei Jahre Schule, dann wird sie sich im Ausland als Profispielerin versuchen. «Für ein, zwei, drei Jahre», stellt sich das die 16-Jährige vor. Derzeit ist Rahel Aschwanden die Nummer 386 der Welt - und die Nationalspielerin, welche die grössten Fortschritte macht.

An der Team-WM Ende Mai stieg sie mit der Schweiz in die 2. Division auf. «Ein spielerischer Erfolg war es aber nicht», erinnert sich Aschwanden. Auch sie selbst spielte in Moskau nicht perfekt. Das ist ihr anderswo schon gelungen. «An den German Open habe ich die Nummer 146 der Welt geschlagen, und in Luxemberg habe ich drei super Spielerinnen besiegt.» Das war im März und April, alle Gegnerinnen mindestens 350 Ränge besser klassiert.

Die Fähigkeit, mit Vor- und Rückhand anzugreifen sowie ein starker Aufschlag: Das hat Rahel Aschwanden vorpreschen lassen. «Ich bin überrascht, dass ich international so gut mitspielen kann. Ich mache noch unglaublich viele Fehler. Aber das ist gut. Es wäre schlecht, wenn ich nichts mehr verbessern könnte.» Neu arbeitet Aschwanden mit China-Schweizer Jin Linlin an der Qualität des Rückschlags nach dem gegnerischen Service. «Aber ich weiss halt nicht, wie das im Match sein wird, ob alles schon genügend automatisiert ist.»

Jede Mittagspause

Bereits ab heute Freitag steht die Teenagerin an der Jugend-EM in Istanbul wieder im Ernstkampf. Im Einzel will sie sich in den 1?16-Final spielen - obwohl sie sich am Montag im Trainingslager leicht am Trizeps verletzt hat. Nichts Beunruhigendes, meint Asch- wanden, «das hatte ich schon vor einem Jahr einmal.» Ob sie ihr Ziel erreiche, hänge vor allem auch von der Auslosung ab. Denn bessere Gegnerinnen gibt es noch einige. Derzeit wird die 16-Jährige im europäischen U18-Ranking auf Platz 36 geführt.

Wichtig ist die Jugend-EM als Standortbestimmung für weitere Verbesserungen. Derzeit trainiert die Kantonsschülerin mit Zdenko Prskalo. Mit dem Profitrainer ihres Stammklubs Wil übt sie seit ihrem zwölften Lebensjahr. 15 Stunden jede Woche, um den Stundenplan des Gymnasiums herum, jede Mittagspause. Mit Tischtennis begonnen hat Aschwanden aber im TTC Toggenburg - dank dem älteren Bruder Jonas, einem ihrer drei Geschwister. Inzwischen sind beide für Wil lizenziert.

Ist die Jugend-EM zu Ende, gibt es erst einmal Ferien. Zwei Wochen. Dann startet schon die Vorbereitung auf die Team-EM der Elite in Ostrava Mitte September. Die NLA-Saison mit Wädenswil scheint fast nur Nebensache. Tatsächlich wird die Neue bloss die Hälfte der Qualifikation sowie die Playoffs bestreiten. Mehr wäre zu viel, da Aschwanden auch für Wil in der NLB der Herren antreten sowie internationale Turnier in Nachwuchs und Elite bestreiten wird.

Angebote von allen Klubs

Am Zürichsee gelandet ist die Nationalspielerin eher zufällig. Die NLA-Karriere begann in Morges. 13 Jahre alt war Rahel Aschwanden bei ihrem Debüt in der höchsten Spielklasse. Davor hatte sie ein Angebot ausgeschlagen, für Winterthur zu spielen - denn da war sie zunächst nur für die 2. Liga vorgesehen. «Dort war mir das Niveau zu schlecht.» In der NLA war es anfangs zu hoch. Doch schon in der zweiten Spielzeit gewann Aschwanden die Hälfte ihrer Partien. Letzte Saison erzielte sie 19 Siege in 26 Partien, stieg ins Nationalteam auf, startete an der Weltmeisterschaft.

Jetzt ist Morges Vergangenheit: Für den Herbst hat der Klub kein NLA-Team mehr gemeldet - weil Rachel Moret, die zweite Nationalspielerin des Vereins, wegen ihres Studiums nur noch die Hälfte der Spiele bestreiten will. Beide haben nach Wädenswil gewechselt. «Zu zweit einen neuen Verein zu finden war nicht einfach», sagt Aschwanden: «Ich habe von jedem Nationalliga-A-Klub ein Angebot bekommen.» Die 20-jährige Moret war offenbar nicht so begehrt - dabei war sie 2009 Schweizer Einzel-Meisterin. Die Zukunft jedoch, das glauben alle, gehört Rahel Aschwanden.

 
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