Der Tag für den Profi-Triathleten beginnt morgens um 8 Uhr, dann setzt sich Ronnie Schildknecht zuhause in Thalwil an den Frühstückstisch und füllt sich die Speicher. Der 30-jährige Ausdauersportler braucht für einen langen Arbeitstag viel Energie. «Ich lade den Motor auf», schmunzelt der Seebub. Kaffee, Fruchtsäfte, Brot und Honig - Schildknecht langt herzhaft zu und lässt es sich schmecken. «Das Frühstück ist mir extrem wichtig», sagt er, «ich geniesse es und gehe in Gedanken die nächsten Aufgaben durch.»
Sein erster Arbeitseinsatz führt den Sportler um 9.30 Uhr ins Bad Käpfnach nach Horgen. Dort crawlt er drei, vier Kilometer durchs Zürichseewasser. «Das Schwimmen ist meine schwächste Disziplin, dort kann ich immer noch am meisten Fortschritte machen.» Deutlich schneller sei er aber in den letzten Jahren geworden, denn bei seinem ersten kleinen Triathlon als Knirps sei er im Zürichsee noch fast untergegangen, lacht der Thalwiler herzhaft. Zum Dessert noch ein Koppellauf
Nach einer kurzen Pause und einer kleinen Verpflegung («meist nur zwei, drei Scheiben Brot») schwingt sich der 30-Jährige aufs Rennvelo und tritt dann drei Stunden voll in die Pedalen. Meist steht der Sattel und die Ibergeregg auf dem Programm. Die Radstrecke im Langdistanz-Triathlon (3,8 km Schwimmen / 180 km Radfahren / 42,195 km Laufen) ist Schildknechts Paradedisziplin, dort macht der Seebub immer Terrain gut und rast an der Konkurrenz vorbei. Nach der Rückkehr steht dann zum «Dessert» noch ein Koppellauf über 45 Minuten an. «Den Kilometer laufe ich in vier Minuten.»
Gegen 17 Uhr sind genug Schweisstropfen vergossen. Langsam kehrt zuhause in Thalwil Ruhe ein. Die «Arbeitskleidung» kommt in den Wäschekorb, dann folgt meist noch eine Massage. Mit einem reichhaltigen Abendessen (Pasta und Fleisch) wird Körper und Geist für den langen Tag belohnt. «Danach schaue ich noch etwas Fernsehen, zurzeit am liebsten die Fussball-WM.» Überhaupt interessiert sich der Triathlet für andere Sportarten. «Hockey habe ich gerne: Ich bin Kloten-Fan. Vor allem aber liebe ich die NHL.» Wenn er in den Staaten sei, besuche er wenn immer möglich einen Match der Supercracks. Gegen 22.30 Uhr wird am linken Ufer dann das Licht gelöscht. «Nach einem harten Training schlafe ich rasch ein.» Der Traum von Hawaii
Vielleicht träumt Schildknecht dann von einem Sieg an der Ironman-WM auf Hawaii? Er lacht und sagt: «Gewinnen möchte ich dort im Oktober schon einmal. Es ist das grösste Rennen für einen Triathleten. Als Sieger durchs Ziel zu laufen, ist mein Traum.» Im letzten Jahr wurde der Thalwiler Achtzehnter; 2008 verpasste er als sensationeller Vierter das Podest knapp. «Da habe ich gesehen, dass ich es packen kann.» Im Vorjahr liefs nicht optimal, das Pfeiffer?sche Drüsenfieber machte ihm im Vorfeld des Wettkampfes einen Strich durch die Rechnung. «Das ich noch Achtzehnter wurde, war ein Wunder.»
Vor dem Rennen auf Hawaii folgt am 25. Juli noch das Heimrennen. In Zürich will der Seebub den Ironman Switzerland zum vierten Mal gewinnen. «Vor meinem Publikum als Sieger durchs Ziel zu laufen, ist sehr speziell.» Er ist zuversichtlich, dass es wieder klappt. «Die Form stimmt», sagt er. |