«Unglaublich, wie die Zeit vergeht», entfährt es Fabian Giger. Obwohl bereits beinahe ein Jahr um ist, sind die Erinnerungen beim Riedner noch immer sehr präsent. Im Juli 2009 fuhr er der Konkurrenz innerhalb einer Woche gleich zweimal auf und davon. Nur gerade sechs Tage nachdem er in Chur Schweizer-U23-Meister geworden war, doppelte Giger im holländischen Zoetermeer an den Europameisterschaften in der gleichen Altersklasse nach. «Ich konnte damals meine gute Form ausspielen und zwei wichtige Titel gewinnen», erinnert sich Giger.
In der Zwischenzeit hat sich im Leben des Mountainbikers viel verändert. Seit Anfang 2010 gehört der bald 23-Jährige der holländischen Mannschaft Rabobank-Giant, bei der er einen Profivertrag über drei Jahre unterschreiben konnte, an. Seinen erlernten Beruf hat er deswegen allerdings nicht an den Nagel gehängt. Obwohl er momentan von seinem Sport leben könnte, arbeitet Giger weiter in einem 20-Prozent-Pensum als Bankangestellter. Jeden Montag tauscht er den Velosattel gegen einen Bürostuhl. «So behalte ich ein Bein in der Berufswelt, und auch der Rhythmus ist gut für mich», beschreibt der St. Galler die Vorteile. Im Weltcup noch nicht auf Touren
Seine erste Saison als Profi verläuft bisher zufriedenstellend, auch wenn er in den Weltcup-Rennen noch nicht auf Touren kam. In England und Belgien blieb er mit den Rängen 38 und 28 noch deutlich unter seinen eigenen Erwartungen. Erst vor einem Monat gelang ihm in Offenburg (De) mit Platz 22 ein Resultat, das mit seinem Saisonziel korrespondiert: Der starke Kletterer möchte in der Weltcup-Rangliste unter die Top 20 vorstossen. Vergangene Saison belegte er in der Endabrechnung noch den 26. Rang.
Für Giger ist der verhaltene Saisonstart allerdings kein Grund, nervös zu werden: «Ich fahre auf einem ähnlichen Niveau wie letztes Jahr. Nur wird die Luft, je näher man den Top-Leuten kommt, halt immer dünner.» Um der Weltspitze noch mehr auf den Zahn zu fühlen, überlässt Giger, der aus einer radsportbegeisterten Familie stammt, nichts dem Zufall. In einem Höhentrainingslager auf dem Berninapass holte sich Giger im Mai und Juni den letzten Schliff für die Saisonhighlights. Während drei Wochen trainierte und lebte Giger im Rahmen einer gemeinsamen Studie von Swiss Olympic und Swiss Cycling zusammen mit seinen Nationalmannschaftskollegen und anderen Ausdauersportlern auf über 2300 Metern. «Das war für uns eine sehr gute Trainingsmöglichkeit. Nun hoffe ich, bald davon profitieren zu können.»
Die Saisonhöhepunkte folgen Schlag auf Schlag. Nächste Woche finden in Israel die Europameisterschaften statt. Mitte Juli treffen sich in Gränichen AG die besten Biker der Schweiz zu den Landesmeisterschaften. Und nach drei weiteren Weltcup-Rennen folgt Anfang September mit den Weltmeisterschaften in Kanada als Abschluss der eigentliche Saisonhöhepunkt. «Erfahrungen sammeln»
An den Europameisterschaften wird Giger seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen können. Die Fahrer mit Jahrgang 1987 sind in der Kategorie U23 nicht mehr startberechtigt. Aus diesem Grund hören sich die Ziele für einen Vorjahressieger schon beinahe bescheiden an: «Für mich geht es darum, Erfahrungen zu sammeln. Ich habe im Gegensatz zum letzten Mal nichts zu verlieren und kann entsprechend unbelastet rangehen.» Trotzdem liebäugelt der Fahrer des VC Eschenbach mit einem Platz in den Top 15.
Morgen Donnerstag wird Giger nach Israel fliegen, und bereits am Freitag wird er an einem Testrennen starten. Danach bleiben ihm sieben Tage, um sich an die klimatischen Bedingungen im Mittelmeerstaat zu gewöhnen. Das EM-Rennen, dessen Streckenprofil Giger noch nicht kennt, ist für den 9. Juli terminiert. |