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Seegeschichten
Zürichsee-Zeitung Linkes Ufer / Samstag, 17. Januar 2009
 
«See in Längsrichtung anfliegen»
Zürichsee Wo Piloten ein Flugzeug in der Region notlanden könnten
 
In New York ist Piloten die Wasserlandung mit einer Passagiermaschine gelungen. Auch auf dem Zürichsee wäre dies möglich. Der ehemalige Swissair-Pilot Kurt Hänggi wägt die Chancen ab.
Frank Speidel
 

Eine Maschine hebt in Zürich-Kloten ab. Kurz darauf geraten Vögel in beide Triebwerke. Diese fallen aus, der Pilot muss notlanden. Ein mögliches Szenario - so geschehen am Donnerstag in New York. Dem Piloten des Airbus A320 gelang es, die Maschine sicher im Hudson River zu landen. Alle Passagiere überlebten. Für eine solche Wasserlandung käme auch der Zürichsee in Frage. Kurt Hänggi, Uetikons Gemeindepräsident und ehemaliger Swissair-Pilot, weiss: «Die Überlebenschancen bei einer Notlandung sind auf dem Zürichsee höher als im Gelände.» Denn schon kleine Hindernisse oder Unebenheiten am Boden würden der Maschine grossen Schaden zufügen und sie auseinanderreissen. Auch an einem heissen Hochsommertag, wenn es viele Schiffe auf dem Zürichsee hat, würde eine Landung auf dem Wasser mehr Sinn machen als auf einer der dichtbesiedelten Hügelketten Pfannenstiel oder Zimmerberg.

Lützelsee für Airbus zu klein

«Doch meist hat der Pilot in solchen Notsituationen sowieso nicht mehr viele Möglichkeiten zur Auswahl», sagt Hänggi. In der Nacht komme ohnehin nur eine Notlandung auf dem Wasser in Frage, weil in der Dunkelheit Hindernisse im Gelände noch schlechter erkennbar seien. Natürlich würde der Pilot den Zürichsee in Längsrichtung anfliegen und, wenn er genügend Zeit hat, in entgegengesetzter Richtung zum Wind, wie Hänggi erklärt. Meist bleibe aber nicht viel Zeit, denn eine Passagiermaschine, bei der beide Triebwerke ausgefallen sind, sinkt schnell: Mit 1000 Metern Höhe kommt man laut Hänggi noch 10 Kilometer weit. Vielleicht würde es einem Piloten im Notfall auch noch bis zu einem Flugplatz reichen. Der Militärflugplatz Düben-dorf käme für eine Notlandung in Frage, sagt Hänggi. «Ein Flugplatz wird für eine Notlandung immer vorgezogen.» Doch eine gewisse Grösse müsse ein Flugplatz schon haben. Der Hasenstrick am Bachtel sei für eine Notlandung mit einem Airbus definitiv zu klein, und auch dem Flughafen in Schänis würde Hänggi den Zürichsee vorziehen. Der Lützelsee hingegen sei für eine Notlandung zu klein. Ihn mit einer havarierten Maschine schön anzufliegen, sei sehr schwierig.Dass Vögel mit Flugzeugen kollidieren, kommt laut Hänggi immer wieder mal vor - vor allem während dem Start oder der Landung. Deshalb sei man bei Flughäfen bemüht, Vögel möglichst von den Pisten fernzuhalten. In Kloten werden in erster Linie die Mäuse bekämpft, denn sie sind die Nahrung von besonders grossen Vögeln - den Mäusebussarden.

 
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