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Südanflüge
Sihltaler / Mittwoch, 29. Oktober 2008
 
«Bundesrat Leuenberger blockiert alles»
 
 
Richard Hirt*.
 

Richard Hirt, stören Sie zu Hause in Fällanden die Südanflüge auch nach fünf Jahren noch?

Ja, eindeutig. In der Regel wecken sie mich um sechs Uhr auf. Und sie nerven: Bei jedem Anflug denke ich, dass da wieder geltendes Recht gebrochen wird.

Alle Demos und Beschwerden der Südschneiser haben nichts gebracht. Der Frust muss gross sein.

Das ist so, ja. Es ist unerträglich, dass weder die Politik noch die Gerichte auch nur den kleinsten Schritt machen. Viele hier im Süden kommen sich vor wie in einer Bananenrepublik. Unsere ersten Einsprachen gegen die Südanflüge sind noch nicht behandelt. Mit anderen Worten: Seit fünf Jahren wird fast täglich gegen die Umweltschutz- und Raumplanungsgesetzgebung verstossen - ohne dass sich ein Gericht äussert. Das ist ein Skandal.

Sie vertreten im Fluglärmforum Süd 35 Gemeinden. Ist der politische Wille noch stark, sich zu wehren, oder ist Resignation spürbar?

Resignation nicht, aber Frustration. Der letzte Hammer war der Entscheid gegen den gekröpften Nordanflug auf Sicht. Da hat man uns während der vierjährigen Planungsphase vertröstet, um uns dann mit einer hanebüchenen Begründung vor den Kopf zu stossen. Aber wir geben nicht auf.

Was soll denn Besserung bringen?

Es muss ein anderer Bundesrat die Führung übernehmen. Haben Sie gesehen, wie der deutsche Minister Steinbrück auf die Schweiz losgegangen ist? Im Vergleich zu diesem Wadenbeisser ist Leuenberger ein Zuckergiesser, der garantiert nichts erreichen wird. Auch Couchepin war wie ein Weggli-Bube, als er Bundeskanzlerin Merkel zu Gesprächen über die Flughafenproblematik empfing.

Sie denken, mit scharfen Worten liesse sich Deutschland in die Knie zwingen?

Nicht nur, aber ein bestimmteres Auftreten ist unabdingbar. Dazu muss man Fäden aufnehmen, die schon gesponnen sind: Ich denke an Paketlösungen, die auch die Themen Autostrassen, Grenzgängerabkommen, Endlager und Bahnanschlüsse beinhalten. Es gibt gerade in Baden-Württemberg gewichtige Organisationen, die da starke Interessen haben, ich denke zum Beispiel an die dortige Handelskammer.

Und den «Gekröpften» haben Sie abgeschrieben?

Nein, sicher nicht, aber es braucht Zeit. Drei bis vier Jahre wird es sicherlich dauern, bis die Planung des voll instrumentengestützten gekröpften Nordanflugs vollendet sein wird. Wir werden Druck machen, dass diese Arbeiten vorangetrieben werden.

Bringt der Wechsel an der Spitze des Bundesamts für Zivilluftfahrt Besserung für den Süden?

Ich hätte lieber einen Wechsel im Bundesrat gehabt. Raymond Cron hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Es wird jetzt zu Verzögerungen führen, bis ein Nachfolger gefunden und bis der eingearbeitet sein wird. Politisch wird alles von Bundesrat Leuenberger blockiert. Ich habe den Eindruck, dass er sich immer noch auf einem Rachefeldzug befindet, weil er 2002 im Parlament mit seinem Staatsvertrag gescheitert ist. (asü)

* Richard Hirt ist Präsident des Fluglärmforums Süd, Gemeindepräsident in Fällanden und ehemaliger CVP-Kantonsrat.
 
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