Bis zum Sommer 2001 war die Welt im mittleren Glattal und am Pfannenstiel noch in Ordnung. Die Gespräche von Bundesrat Moritz Leuenberger mit dem deutschen Verkehrsminister Kurt Bodewig im fernen Bonn interessierten hier kaum jemanden. Dies änderte sich schlagartig, als bekannt wurde, welche Beschränkungen der ausgehandelte Staatsvertrag für den Flugbetrieb mit sich bringen würde. Weil Süddeutschland an den Wochenenden in den Tagesrandstunden lärmfrei bleiben sollte, war der Begriff «Südanflüge» plötzlich in aller Munde.«Gegen den eigenen Willen» stelle man ein Gesuch für deren Einführung, erklärte der damalige Flughafendirektor Josef Felder immer wieder. Die politischen Sachzwänge liessen ihm indessen keine andere Wahl. Dass der Kanton Zürich und in der Folge auch das Parlament in Bern den Vertrag aus Empörung über die harte deutsche Haltung ablehnten, verbesserte die Lage keineswegs. Der neue Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe reagierte umgehend mit dem Erlass einer Verordnung (DVO), die noch schärfere Bestimmungen enthielt. Anstatt nur an den Wochenenden, mussten nun auch werktags von 6 bis 7 Uhr Südanflüge ins Auge gefasst werden. Anflüge morgens und abends Zwar war die Piste 34 seit je auch als Landebahn genutzt worden. Doch die rund 600 kleinen Privatmaschinen, die pro Jahr von Süden her in Kloten landeten, waren bislang kaum jemandem aufgefallen. Das änderte sich nun radikal. 17 schwere Linienflugzeuge überflogen bereits am ersten Tag die Forch, Gockhausen, Schwamendingen und Opfikon. Lärmwerte über 90 Dezibel rissen die Leute aus dem Schlaf.Mit der Einrichtung eines Instrumentenlandesystems (ILS) für die Piste 34 konnte der Südanflug ab Herbst 2004 auch bei schlechteren Wetterverhältnissen geflogen werden. In der Folge stieg die Belastung weiter an und erreichte 2006 mit 12 318 Südlandungen den bisherigen Rekordwert. Die technische Aufrüstung führte ausserdem dazu, dass der Südanflug bei manchen Wetterlagen zur Alternative für Ostanflüge wurde. 2006 zählte Unique bereits 2345 abendliche Südanflüge. 2007 waren es gemäss Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling 2070 und im laufenden Jahr (bis Ende September) 1431. «Die Entwicklung dieser Zahlen ist aber stark wetterabhängig», so Zöchling. Insbesondere während der Wintermonate könne häufig weder von Osten noch von Süden gelandet werden. Erfolgloser Rechtsweg Landesregierung, Zürcher Regierungsrat und Unique betonten stets, die Südanflüge nicht gewollt zu haben. Doch trotz zahlreicher Anstrengungen gelang es keinem dieser Akteure, deren Einführung wieder rückgängig zu machen. Ein erster Versuch wurde auf dem Rechtsweg unternommen. Doch die Einsprachen gegen die deutsche Verordnung scheiterten vor deutschen Gerichten ebenso wie in Brüssel. Ein zweiter Versuch stellte der gekröpfte Nordanflug dar, der als Alternative zum Südanflug propagiert wurde. Im Juli hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) diesen allerdings nach jahrelanger Begutachtung abgelehnt. Als dritter Lösungsweg werden immer wieder Neuverhandlungen mit Deutschland propagiert. Doch der nördliche Nachbar hat bereits mehr als einmal demonstriert, dass er es damit nicht eilig hat. Widerstand ungebrochen Trotz all dieser Rückschläge ist die Protestbewegung, angeführt von «Schneiser»-Präsident Thomas Morf, sehr lebendig geblieben. Morgen um 5.55 Uhr wollen sich die Betroffenen bei der Flamme des Forchdenkmals zu einer weiteren Kundgebung versammeln, um zu beweisen, «dass das Feuer des Widerstandes nicht erloschen ist». |