Zürcherland Zeitung
   Donnerstag, 09. September 2010    Abo: häufige Fragen    Redaktionsadressen    e-Paper-Login
Zürichsee-Zeitungen
STELLEN
Suchen
Inserieren       
 
IMMOBILIEN
Suchen
Inserieren       
 
    Verlag: Zürichsee Presse AG, Seestrasse 86, 8712 Stäfa, Tel. 044 928 51 11, Fax 044 928 55 20
   abo@zsz.ch webmaster@zsz.ch
 

Südanflüge
Sihltaler / Freitag, 08. August 2008
 
Protest sucht neuen Schwung
Fluglärm Mobilisierungspotenzial der Bürgerorganisationen stösst an Grenzen
 
Rund 20 Vereine rund um den Flughafen haben sich in den vergangenen Jahren den Kampf gegen den Lärm auf die Fahne geschrieben. Nun machen sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Oliver Steimann
 
Nach wie vor ist der Flughafen umzingelt von Bürgerorganisationen, die den Fluglärm bekämpfen wollen. (Grafik ost)
 

Am 31. Januar 2004, wenige Wochen nach Einführung der Südanflüge, eroberten die «Schneiser» den Zürcher Flughafen. Über 7000 zogen damals mit gelben Ballonen und Transparenten vor die Terminals, um gegen den Lärm über ihren Dächern zu demonstrieren. An der Situation hat sich seither wenig geändert, doch die Zeit der grossen Demonstrationen ist vorbei. Der Verdacht liegt nahe, dass die zahlreichen Vereine ihren Zenit überschritten haben. In den einzelnen Regionen zeigt sich jedoch ein uneinheitliches Bild.

Desinteresse im Norden

Nördlich des Flughafens setzt sich der Verein Zürcher Unterland für gerechte Fluglärmverteilung (ZUF) mit rund 500 Mitgliedern für die Interessen der Bevölkerung ein. Der ZUF kämpfte im vergangenen Herbst engagiert für die Plafonierungsinitiative, seither ist es um ihn ruhig geworden. «An der letzten Generalversammlung haben wir beschlossen, unsere Aktivitäten zurückzufahren», bestätigt Vorstandsmitglied Rino Keller. Derzeit zahle niemand mehr Mitgliederbeiträge, eine Auflösung sei aber kein Thema. «Wenn sich neue Entwicklungen ergeben, sind wir bereit, wieder aktiver zu werden.» Einen Schritt weiter gegangen ist der in Winkel beheimatete Verein «Igel». Ende Februar beschloss er mangels Interesse und Engagement der Bevölkerung seine Auflösung.

Morf kämpft weiter

Von solchen Entscheiden ist man im Süden des Flughafens noch weit entfernt. Der von Thomas Morf angeführte Verein «Flugschneise Süd - Nein» (VFSN) ist nach wie vor die schlagkräftigste und aktivste Bürgerbewegung gegen den Fluglärm. Mit rund 5000 beziffert Morf die Zahl der Mitglieder, die damit seit rund vier Jahren ziemlich konstant blieb. Von Resignation nach dem Nein aus Bern zum gekröpften Nordanflug sei nichts zu spüren, erklärt der VFSN-Präsident. Die Reaktion sei vielmehr: Jetzt erst recht! Auch persönlich lässt sich Morf nicht entmutigen: «Der Kampf gegen den Fluglärm ist für mich ein Projekt, und bei Projekten gibt es immer Vor- und Rückschritte.» Eine weitere Grossdemonstration hält er derzeit für wenig sinnvoll - er setzt mehr auf die politische Arbeit im Hintergrund. Ausserdem treffen sich die Südschneiser weiterhin jeden ersten Sonntag im Monat am Flughafen zu einer Mahnwache. Und mit einer Serie witziger Sommeraktionen macht sich der Verein derzeit auf die Suche nach Fluglärm im Schwarzwald. Neben dem sehr aktiven VFSN scheinen die anderen Gruppierungen im Süden zu verkümmern. Um die Vereine Zürich Nord gegen Fluglärm (ZGF) und Stopp den Südanflügen über Zürich (StüZ!), die IG Chapf in Zollikon oder die Aktion für zumutbaren Luftverkehr (Afzl) ist es ruhig geworden. Presseanfragen werden nicht beantwortet - die Internet-Auftritte wurden teilweise seit Jahren nicht mehr aktualisiert.

Klein, aber aktiv im Westen

Westlich des Airports sind es hingegen gerade diese kleineren Vereine, welche den Widerstand prägen. Beispielsweise Rigel 28 in Rümlang, gegründet zur Bekämpfung einer Verlängerung der Piste 28. Gemäss Vorstandsmitglied Anita Hürlimann haben sich 210 Rümlanger Haushalte als Mitglieder eingeschrieben, diese Zahl sei «stabil bis leicht steigend». Mit Aktionen in der Gemeinde versucht man, im Gespräch zu bleiben. Beispielsweise am 16. August, wenn Unterschriften für eine überdimensionierte Postkarte zuhanden des Kantonsrats gesammelt werden sollen. Aktiv geblieben ist auch die IG Brego, beheimatet in der Aargauer Mutschellen-Region. Zu Mitgliederzahlen gibt man allerdings keine Auskunft. Gleiches gilt für die seit 1999 bestehende Vereinigung für erträglichen Fluglärm (Vefef) in Wettingen und den Verein Ikarus Erben im Furttal. Diese kleinen Gruppierungen haben es allerdings auch in den vergangenen Jahren kaum je geschafft, sich über die lokale Ebene hinaus Gehör zu verschaffen. Ganz anders im Osten des Flughafens: Der Bürgerprotest Fluglärm-Ost (BFO) zählt gemäss Ko-Präsident Ralph Weidenmann rund 2300 Mitglieder und wird von 700 Spendern finanziell unterstützt. Doch diese Zahl steige nur noch leicht, räumt Weidenmann ein. «Unser geschätztes Potenzial haben wir in etwa erreicht.» Der BFO setzt auf Lobby-Arbeit auf kantonaler und nationaler Ebene. «Für eine grössere Protestaktion auf der Strasse fehlt die Empörung in der Bevölkerung. Den Menschen in der Ostschneise muss erst bewusst werden, was auf sie zukommen kann», so Weidenmann. Als zweite grössere Organisation konnte sich im Osten auch die Bürgerinitiative Fluglärmsolidarität (FLS) halten. Gemäss Vorstandsmitglied Beat Menke zählt man knapp 3000 zahlende Mitglieder. Die Zahl steige zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder an, insbesondere wegen der möglichen Verlängerung der Piste 28. Diese sorgt auch jenseits der Kantonsgrenze für rote Köpfe. Auch der Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau verzeichnet wachsende Mitgliederzahlen - momentan sind es 520.

«Die Luft war draussen»

Die meisten der Organisationen im Westen, Norden und Osten sind im Dachverband Fluglärmschutz (DVFS) zusammengeschlossen. Auch Präsidentin Priska Seiler-Graf hat festgestellt, dass nach der Flughafenabstimmung im Herbst 2007 «die Luft etwas draussen war». Und im Norden habe das Interesse abgenommen, seit das Schreckgespenst einer Parallelpiste vom Tisch sei. Doch sie ist überzeugt, dass die Protestbewegung insgesamt bereits wieder neuen Schwung erhalte: «Im Westen und Osten wird man sich mit allen Mitteln gegen den Ausbau der Piste 28 wehren.»

 
ANZEIGE
 
Hotel Wassberg Forch


 
updates: täglich / last major: august 2008 / konzept, design und realisation: zürichsee presse ag / peter gut / webmaster