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Südanflüge
Sihltaler / Freitag, 04. Juli 2008
 
Bundesrat will von Parallelpiste nichts wissen
SIL-Prozess Drei Flugbetriebsvarianten finden Aufnahme im zukünftigen Objektblatt
 
Der Bund will sich im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) zwar alle Optionen offen halten, Deutschland aber nicht düpieren. Das Projekt einer Parallelpiste wird nicht mehr weiterverfolgt.
Oliver Steimann
 

Offizielle Prognosen gehen davon aus, dass am Flughafen Zürich in absehbarer Zeit 400 000 bis 450 000 Flugbewegungen nachgefragt werden. Zu bewältigen wären diese nur mit einem Parallelpistensystem. Seit gestern aber steht fest, dass Unique ein solches wohl nie wird bauen können. Denn, obwohl im SIL-Verfahren alle Beteiligten mit Ausnahme der Zürcher Regierung die raumplanerische Absicherung einer Parallelpiste begrüsst haben, hat der Bundesrat diese abgelehnt. Raymond Cron, Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl), brachte vor den Medien mehrere Gründe vor, um diese Entscheidung zu rechtfertigen. «Aus heutiger Sicht hat eine Parallel- piste sehr geringe Realisierungschancen», so seine Einschätzung. Das liege nicht nur am verfassungsrechtlichen Schutz der betroffenen Moorgebiete, sondern auch am politischen und gesellschaftlichen Umfeld, in dem sich der Flughafen heute befinde.

Zürichs Meinung hat Gewicht

«Bei der Beurteilung durch den Bund ist der ablehnenden Haltung des Standortkantons grosses Gewicht zugekommen», so Cron. Er räumte ein, dass der Flughafen sich nicht nachfrageorien-tiert wird entwickeln können - obwohl dies im luftfahrtpolitischen Bericht des Bundes aus dem Jahr 2004 ausdrück-lich verlangt wird. «Das Prinzip der Orientierung an der Nachfrage wird aber nicht in Reinform stipuliert», schränkte Cron ein. Vielmehr verlange der Bericht eine Entwicklung, die auch im Hinblick auf die Bevölkerung nachhaltig sei. Er ist überzeugt, dass der Flughafen auch ohne Parallelpiste seine Funktion als interkontinentales Drehkreuz aufrechterhalten könne.

Südstarts noch nicht beurteilt

An den drei weiteren Betriebsvarianten (siehe Kasten), die in den vergangenen Monaten noch diskutiert wurden, will der Bund hingegen festhalten. «Damit decken wir alle heute denkbaren Entwicklungen ab», ist Cron überzeugt. Die beiden E-Varianten könnten zur Anwendung kommen, je nachdem, ob man mit Deutschland zu einer Einigung komme oder nicht. Und für zukünftige Entwicklungen stehe die Variante J zur Verfügung. Zu einzelnen betrieblichen Elementen dieser Varianten habe der Bund noch keine Entscheidung gefällt, so Cron weiter. Darunter fallen auch die höchst umstrittenen geraden Südstarts über die Pfannenstiel-Region. «Für eine definitive Beurteilung benötigen wir hierzu detaillierte Kenntnisse der Auswirkungen», erklärte der Bazl-Chef. Forderungen nach einer Sistierung des SIL-Prozesses erteilte Cron gestern eine klare Absage. Der Bund halte am ursprünglichen Zeitplan fest, der einen Abschluss des Verfahrens bis 2010 vorsieht. Bis Ende Jahr werde das Bazl einen Schlussbericht zum gesamten Koordinationsverfahren verfassen. Auf dieser Basis werde anschliessend das SIL-Objektblatt für den Flughafen Zürich ausgearbeitet. «2009 geht dieses in ein öffentliches Mitwirkungsverfahren - parallel zur Anpassung der kantonalen Richtpläne.» 2010 soll der Bundesrat abschliessend entscheiden.

Kritik von Unique

Die klare Ablehnung des Parallelpisten-Projekts ist vor allem eine Desavouierung der Flughafenbetreiberin. In den SIL-Verhandlungen hatte sich Unique immer deutlich für diese Variante ausgesprochen. Entsprechend enttäuscht reagierte man gestern am Flughafen auf die bundesrätliche Entscheidung. Die Möglichkeit, sich dereinst für diese Variante zu entscheiden, werde damit auch zukünftigen Generationen genommen, hiess es in einem Communiqué. Diese Einschätzung teilt man auch beim Homecarrier Swiss. Im nördlichen Zürcher Unterland, das von einer Parallelpiste am stärksten betroffen gewesen wäre, reagierte man hingegen hoch erfreut. Damit habe das Bazl die wirtschaftliche und raumplanerische Entwicklung der Flughafenregion stärker gewichtet als ein uneingeschränktes Wachstum des Flugverkehrs, erklärte Hanspeter Lienhart, Präsident der IG Nord, erleichtert.

 
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