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Seegeschichten
Zürichsee-Zeitung Rechtes Ufer / Freitag, 12. März 2010
 
Seltene Eistage am Zürichsee
Wetter Der März ist bisher am Zürichsee rund 3,5 Grad zu kalt - doch der Frühling naht
 
Der Winter hat am Zürichsee eine happige Verlängerung geboten: Der März war bisher 3,5 Grad zu kalt. Je nach Standort gab es zwei bis drei Eistage, was selten vorkommt. Aber der Frühling ist in Sicht.
Martin Steinegger
 


Das Erfreuliche gleich zu Beginn: Die grimmige Winterkälte, welche den Monat März bisher geprägt hat, geht allmählich ihrem Ende entgegen. «Auf Mitte nächster Woche deutet sich eine Umstellung der Wetterlage und damit eine Milderung an», sagt Ludwig Zgraggen, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Diese Prognose stehe auf ziemlich sicheren Füssen, betont er.


Verantwortlich für den anstehenden Wetterwechsel ist eine Umstellung der Grosswetterlage. Die bislang dominierende Nordost- bis Ostströmung, die uns eiskalte Luft aus Russland gebracht hat, wird durch eine West- bis Südwestströmung ersetzt. Statt Russenkälte erreicht uns also milde Atlantikluft.

Bise, Frost und Eistage


Bis es so weit ist, dominiert am Zürichsee aber noch der Winter - und der war bisher nicht von schlechten Eltern. Bereits im Januar und im Februar war es am Zürichsee kälter als üblich. Im Januar lag die durchschnittliche Tagestemperatur direkt am Seeufer bei -1,5 Grad, im Februar bei 0,7 Grad. Im Vergleich zum langjährigen Mittel war der Januar damit rund 1 Grad und der Februar etwa 0,5 Grad zu kalt.


Der erste «Frühlingsmonat» März setzt sogar noch einen obendrauf: Die Temperaturabweichung zum langjährigen Mittel beträgt bis jetzt am Zürichsee -3,5 Grad, die durchschnittliche Tagestemperatur liegt bei 0,7 Grad. Besonders die Nächte waren so kalt wie im tiefsten Winter: Zu Wochenbeginn sank die Temperatur in Herrliberg auf -9,8 Grad, in Jona auf -10,7 Grad und in Wädenswil auf -7,5 Grad. Bisher wurden am Zürichsee im März zudem je nach Standort zwischen zwei und drei Eistage verzeichnet; Tage also, an denen das Thermometer nie mehr als null Grad anzeigte. «Das ist schon aussergewöhnlich, denn normalerweise gibt es im März im Schnitt nur etwa einen Eistag», sagt Ludwig Zgraggen. Dazu fiel Schnee, und es blies eine unangenehme Bise.


Dennoch: Rekordverdächtig ist der Spätwinter bisher nicht. «Es gab schon deutlich kältere Märzperioden», sagt der Meteorologe. So sanken die nächtlichen Temperaturen im März 1971 im Flachland beispielsweise auf Werte von bis zu -15 Grad. Gemäss Ludwig Zgraggen ist ein derart winterlicher März, wie er momentan am Zürichsee herrscht, statistisch etwa alle 10 Jahre zu erwarten.


Dieser Märzbeginn sei die logische Folge des kalten Winters. «Wir erleben momentan eigentlich nichts anderes als die Fortsetzung jener Wetterkonstellation, die uns bereits in den letzten drei Monaten Kälte und Schnee beschert hat», sagt Zgraggen.

Winter verliert sein Regime


Meteorologisch endet der Winter am letzten Februartag, und der Frühling beginnt am 1. März. Das Wetter hält sich jedoch selten an diese Definition. In der ersten Märzhälfte treten Wintereinbrüche noch regelmässig auf. Was das Wetter angeht, passt deshalb der astronomische Frühlingsbeginn am 20. März wesentlich besser. Die Erklärung dafür leuchtet ein: Bis Mitte März wärmt sich die im Winter bitterkalte Luft über Russland wegen der zunehmenden Kraft der Sonne allmählich auf - das riesige kontinentale «Kältereservoir», welches im Winter immer wieder bis in die Schweiz ausgreift, baut sich also allmählich ab. Bis Ende März sind Kaltluftvorstösse wie in den vergangenen Tagen dann praktisch gar nicht mehr möglich, weil die dafür nötigen «Ressourcen» fehlen.


Auf die Vegetation wirkt sich der kalte März übrigens nicht negativ aus. Die Pflanzen befinden sich grösstenteils immer noch in der winterlichen Ruhephase. Gemäss Ludwig Zgraggen ist die aktuelle Kälteperiode sogar gut für die Vegetation. Viel schlimmer sei es, wenn es früh im Winter sehr warm werde, wodurch die Pflanzen austreiben - und dann im Frühling nochmals ein massiver Wintereinbruch folge.

 
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