Die von Deutschland und der Schweiz gemeinsam erarbeitete Studie zur Belastung rund um den Zürcher Airport hat Ende Oktober ein klares Resultat erbracht: Jenseits des Rheins erreicht der Fluglärm nirgends auch nur annähernd die deutschen Grenzwerte. Für den Waldshuter Landrat Tilmann Bollacher hat dies allerdings keine Aussagekraft, wie er gestern vor den Medien darlegte. Mit einem zusätzlichen Gutachten versucht er zu beweisen, «dass die Belästigung auch unterhalb der Grenzwerte erheblich sein kann».
Auch die Schweiz habe die Ergebnisse der bilateralen Messungen allein in ihrem Sinne analysiert, rechtfertigt Bollacher sein Vorgehen. Tatsächlich werde sein Landkreis viel stärker belärmt, als die offizielle Studie dies darstelle.
Das Hauptargument des Landrats: Die deutsche Fluglärm-Gesetzgebung werde der Situation in einem ländlichen Gebiet wie dem Südschwarzwald gar nicht gerecht. Die Belastung sei vielmehr nach der Umgebungslärm-Richtlinie der EU zu bewerten. Lärm von über 40 Dezibel sei mit dieser nicht vereinbar. Ausserdem habe das zusätzliche Gutachten ergeben, dass die offiziell berechneten Lärmwerte im Landkreis um rund 4,7 Dezibel zu tief lägen. Wegen ausgeprägter Modulationen und sogenannter Dopplereffekte sei der Anfluglärm über Hohentengen und den Nachbardörfern nämlich weit störender, als gemeinhin angenommen werde.
Für die Forderungen aus der Schweiz, die deutschen Anflugbeschränkungen hätten nun zu fallen, hat Bollacher denn auch überhaupt kein Verständnis. Ganz im Gegenteil: «Aus lärmmedizinischer Sicht müssen die Flugbewegungen über dem Südschwarzwald weiter reduziert werden. Auf unserer Seite besteht da - insbesondere bei den Sperrzeiten - keinerlei Spielraum für Verhandlungen.»
«Nicht über unsere Köpfe» Bollacher, unterstützt von einer grossen Mehrheit der süddeutschen Politiker, fordert weiterhin eine Beschränkung der Nordanflüge auf maximal 80 000 pro Jahr. Aber auch diese will er nur akzeptieren, wenn der Flughafen Zürich nachweisen kann, dass sie betriebstechnisch unbedingt notwendig sind. Dass die neue Bundesregierung der Schweiz gegen den Willen seiner Region entgegenkommen könnte, hält er für völlig ausgeschlossen: «In Berlin wird kein Minister irgendetwas über die Köpfe der Baden-Württemberger hinweg entscheiden.» An die Schweiz richtet Tilman Bollacher die Bitte, von der Diskussion um Lärmgrenzwerte wieder Abstand zu nehmen. «Es geht einfach nicht, dass man uns erklären will, wir hätten gar keinen Lärm. Da fühlen wir uns nicht ernst genommen.»
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