Bewahrheiten sich die offiziellen Prognosen, dann wird der Flughafen Zürich ab 2020 die Verkehrsnachfrage nicht mehr befriedigen können. Gemäss Flughafensprecherin Sonja Zöchling ist dies die Konsequenz der jüngsten Entscheide des Bundes zum Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL). Zwar werden drei verschiedene Betriebsvarianten (E optimiert, E DVO und J optimiert) in die Planung aufgenommen. Die maximal mögliche Zahl jährlicher Flugbewegungen liegt jedoch bei allen zwischen 344 000 und 347 000.
Um sich trotzdem eine Option für ein weiteres Wachstum offen zu halten, hatten die Swiss und die Flughafenbetreiberin Unique verlangt, dass neu Südabflüge geradeaus über Gockhausen und die Forch ermöglich werden sollen. Dies hätte ihnen zu etwas mehr Kapazität verholfen. Doch davon will man in Bern nichts wissen. Peter Müller, Direktor des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), erklärte gestern vor den Medien, dass solche Südstarts nur bei extremen Wettersituationen zugelassen würden. Selbst dagegen sei in der jüngsten Vernehmlassungsrunde vereinzelt Widerstand angemeldet worden, die Kantone Zürich und Schwyz hätten jedoch grünes Licht gegeben. «Es handelt sich nur um etwa 1000 Abflüge pro Jahr», so Müller.
Deutsche Verordnung soll fallen Obwohl nun drei Betriebsvarianten in der Raumplanung berücksichtigt werden sollen, favorisiert der Bund ganz klar die Varianten «E optimiert» und «J optimiert». Beide nehmen auf die Anflugbeschränkungen über süddeutschem Gebiet keine Rücksicht. Und auch die lärmgünstigste Variante, «J optimiert», die Pistenverlängerungen vorsieht, will Müller nur dann umsetzen, «wenn von deutscher Seite gewisse Zusicherungen vorliegen». Damit markiert Bern eine selbstbewusstere Haltung als auch schon, Details zur Verhandlungsposition gegenüber Deutschland wollte Müller gestern aber keine preisgeben. Man habe sich gut vorbereitet und suche jetzt Kontakt zum neuen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.
In der nun abgeschlossenen Vernehmlassung haben die Kantone zusätzliche Forderungen ans Bazl gerichtet. Verlangt wurde beispielsweise der endgültige Verzicht auf einen gekröpften Nordanflug, was Müller jedoch ablehnt. Auch eine Sistierung des SIL-Prozesses bis zu einer Einigung mit Deutschland hält man beim Bund für unsinnig, da der Zustand der Rechtsunsicherheit damit unnötig verlängert werde. Hingegen prüft man zusammen mit dem Kanton Zürich die Möglichkeit einer Anpassung der Lärmschutzbestimmungen. Insbesondere in Gebieten mit nächtlichem Fluglärm soll weiterhin gebaut werden können, wenn dabei strengere Anforderungen an die Bauqualität eingehalten werden.
«Wir haben mit diesen Entscheidungen versucht, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Aviatikindustrie und dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung zu finden», resümierte Müller. Das Bazl werde nun das SIL-Objektblatt zum Flughafen Zürich ausarbeiten. Dieses soll, zusammen mit den darauf abgestimmten kantonalen Richtplänen, Mitte 2010 öffentlich aufgelegt werden. Läuft alles nach Plan, findet der SIL-Prozess 2012 seinen Abschluss.
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