Zürcherland Zeitung
   Donnerstag, 09. September 2010    Abo: häufige Fragen    Redaktionsadressen    e-Paper-Login
Zürichsee-Zeitungen
STELLEN
Suchen
Inserieren       
 
IMMOBILIEN
Suchen
Inserieren       
 
    Verlag: Zürichsee Presse AG, Seestrasse 86, 8712 Stäfa, Tel. 044 928 51 11, Fax 044 928 55 20
   abo@zsz.ch webmaster@zsz.ch
 

Seegeschichten
Dossiers / Samstag, 27. Juni 2009
 
"Grenzen der Kapazität erreicht"
Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft VR-Präsident Peter Weber über Rekorde, Strategien und Krisen
 
Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) meldet Jahr für Jahr neue Passagierrekorde. Die Kapazitätsgrenzen sind fast erreicht. Langfristig plant die Unternehmensführung bereits den Ausbau.
Martin Steinegger
 
«Ich bin ein grosser Schiffefan», sagt Peter Weber, Verwaltungsratspräsident der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Weber wohnt in Rüschlikon. (Martin Steinegger)
 

Letztes Jahr transportierte die ZSG 1,77 Mio. Passagiere auf dem Zürichsee. Es war der dritte aufeinanderfolgende Passagierrekord seit 2006. Wie erklären Sie sich diese Serie?

Peter Weber: Zunächst muss man sagen, dass die ZSG ihre Hausaufgaben gemacht hat. Wir haben gute Angebote zu erschwinglichen Preisen. Die Schifffahrt spielt in der Region Zürichsee eine zentrale Rolle. Dem wollen wir entsprechen. Alle Mitarbeiter sind mit Begeisterung bei der Sache und vermitteln diese Begeisterung an die Gäste weiter.

Das allein sorgt aber noch nicht für Rekorde.

Das stimmt. Die Passagierrekorde der letzten Jahre haben auch andere Gründe. Einerseits hat die Bevölkerung am Zürichsee stark zugenommen. Dadurch gibt es auch mehr potenzielle ZSG-Kunden. Zudem entwickelt sich die Zürichseeregion immer mehr zu einem urbanen Raum. Der See stellt innerhalb dieser Urbanität einen wertvollen Freizeit- und Erholungsraum dar.

Viele der neuen Bewohner am Zürichsee sind aus Deutschland eingewandert. Sind die Deutschen eifrige Schifffahrer?

Subjektiv kann ich das bestätigen. Wir bemerken tatsächlich, dass viele in der Region wohnhafte Deutsche gerne mit unseren Schiffen fahren.

Kann die ZSG die immer grösser werdende Passagierzahl mit ihrer jetzigen Struktur überhaupt noch bewältigen, oder gibt es bereits Kapazitätsprobleme?

Momentan schaffen wir es noch. Allerdings sind wir uns bewusst, dass die Kapazitätsgrenzen allmählich erreicht sind. Das ist momentan ein zentrales Thema bei der ZSG. Unser Ziel muss es sein, den heutigen Qualitätsstandard auch in Zukunft aufrechtzuerhalten.

Welche Massnahmen sind geplant?

Wir unterscheiden zwischen kurzfristigen und langfristigen Massnahmen. Kurzfristig wollen wir mit kleinen Veränderungen etwas erreichen. Ein Beispiel: Wenn mehr Passagiere an den Anlegestellen ein- und aussteigen, dauert das Anlegemanöver insgesamt länger. Wenn das regelmässig vorkommt, wird es schwierig, den Fahrplan einzuhalten. Der Kapitän muss schneller fahren, das Personal an Bord ist stärker gefordert. Wir prüfen nun den Einsatz von breiteren Planken, sodass mehr Personen gleichzeitig ein- und aussteigen können. Eine andere Idee: Wir verbessern die Kommunikation mit den Passagieren. Wenn also jemand auf einem Schiff keinen Platz mehr bekommt, versuchen wir ihn umgehend über anderweitige Kurse aufzuklären.

Und wie sehen die langfristigen Massnahmen aus?

Darüber kann ich noch nicht allzu viel sagen. Im Mai haben wir dazu einen internen Workshop abgehalten.

Braucht es mehr Personal?

Sagen wir es mal so: Wir haben eine Auslegeordnung bezüglich der künftigen Entwicklung gemacht. Ein Kapazitätsausbau in sämtlichen Bereichen ist Bestandteil dieser Auslegeordnung. Beschlossen ist aber noch gar nichts.

Und wie steht es mit neuen Schiffen?

In nächster Zeit ist sicher keine Neuanschaffung zu erwarten. Wir sind momentan vollauf damit beschäftigt, unsere bestehenden Schiffe zu überholen. Die Arbeiten an «Limmat» und «Helvetia» wurden kürzlich abgeschlossen. Nun folgen «Linth», «Wädenswil» und «Bachtel». Auch unsere Dampfer wurden praktisch komplett erneuert.

Wo liegen die Grenzen des Wachstums?

Das Wachstum hat dann ein Ende, wenn die Qualität nicht mehr gewährleistet werden kann.

Die ZSG setzt seit zwei Jahren vermehrt auf wetterfeste Angebote, zum Beispiel den neuen Winterkurs oder die Eventfahrten mit der wintertauglichen «Panta Rhei». Bewährt sich die neue Strategie?

Absolut. Der tägliche Winterkurs wird rege benützt. Die Eventfahrten, beispielsweise das Fondueschiff oder die Tanzschiffe, sind regelmässig ausgebucht. Die Nachfrage ist gross. Diese Strategie wird also weiterverfolgt.

Sind die Winterangebote auch finanziell ein Gewinn?

Der finanzielle Gewinn hält sich im Rahmen. Sie müssen eines bedenken: Die Winterfahrten sind zwar beliebt, allerdings sind speziell die Eventkurse auch sehr aufwändig. Man braucht dafür besonders geschultes Personal und eine spezielle Infrastruktur. Das kostet Geld. Zudem sind wir bemüht, diese Fahrten für jedermann erschwinglich zu gestalten. Die Preise dürfen also nicht aus dem Rahmen fallen.

Die Winterfahrten werden auch kritisiert. Vor allem Naturschutzorganisationen sehen darin eine Störung der winterlichen «Schonzeit» auf dem See.

Wir sind uns dessen bewusst und halten uns deshalb an bestimmte Regeln und Auflagen. So fahren unsere Schiffe im unteren Seebecken höchstens 10 Stundenkilometer und in Ufernähe sehr vorsichtig, um die Wellenbildung kleinzuhalten. Ich halte es aber für unfair, wenn man in diesem Zusammenhang alleine die ZSG in die Pflicht nimmt. Es handelt sich vielmehr um ein gesamtheitliches Problem. Wir gehören wohl noch zu jenen, die am stärksten Rücksicht nehmen.

Stichwort Sicherheit: Immer mehr Schiffe fahren auf dem Zürichsee. Kürzlich kam es fast zu einem Zusammenstoss eines ZSG-Linienschiffs mit einer Segel-Regatta. Wird es gefährlich auf dem See?

Wir registrieren keine Zunahme von Unfällen. Ich stimme Ihnen aber dahingehend zu, dass der Zürichsee speziell im Sommer immer intensiver befahren wird. Vor allem bei Grossanlässen, wie dem Seenachtfest oder der Street Parade ist das ein Problem. Mittlerweile muss uns die Seepolizei bei solchen Anlässen einen Korridor freihalten. Dennoch verzeichnen wir nach wie vor kaum Unfälle, die auf die hohe Verkehrsdichte zurückzuführen sind.

Stichwort Wirtschaftskrise: Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Trifft die Krise auch die ZSG?

Bisher nicht. Unsere Passagierzahlen sind anhaltend hoch. Derzeit liegen wir bereits 4 Prozent über den Zahlen, die wir im Juni 2008 hatten - und das, obwohl die Saison 16 Tage später begonnen hat. Einer unserer Vorteile ist sicher die Einbindung in den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Ohne diese Einbindung wären unsere Preise um ein Vielfaches höher, und dann würden wir wohl auch die Krise stärker spüren. Um etwa 20 Prozent eingebrochen ist allerdings die Nachfrage bei den privaten Grossbuchungen. Firmen, die früher ihre Anlässe auf unseren Schiffen durchführten, überlegen es sich momentan zweimal.


Am Montag, 29. Juni um 14.45 Uhr findet in der Werfthalle der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft in Wollishofen die 118. ordentliche Generalversammlung statt. Die ZSG kann ihren Aktionären ein gutes Resultat präsentieren. 2008 wurde mit 1,77 Mio. Passagieren ein neuer Rekord aufgestellt - zum dritten Mal in Folge. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Betriebsgewinn in Höhe von 371640 Franken. Aussergewöhnliche Sachthemen oder personelle Mutationen stehen nicht auf der Traktandenliste. (mst)

 
ANZEIGE
 
Autostern Waedenswil


 
updates: täglich / last major: august 2008 / konzept, design und realisation: zürichsee presse ag / peter gut / webmaster