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Seegeschichten
Sihltaler / Samstag, 30. Mai 2009
 
Zweitakter sind die Schmutzigen
Zürichsee Wie der Schiffsverkehr die Seewasserqualität beeinflusst
 
Der Zürichsee wird, vor allem im Sommer, zum Tummelfeld für allerlei Boote. Jene mit kleinen und alten Motoren stossen besonders viele Ab-gase ins Wasser. Eine Kontrolle ist bisher nicht erforderlich.
Rahel Brunner
 
Vor allem Boote mit alten Zwei-Takt-Aussenbordmotoren verschmutzen den See stark. Die Konzentration der Abgasprodukte im Seewasser ist jedoch so gering, dass Mensch und Umwelt nicht beeinträchtigt werden. (key)
 


Ein Kursschiff pflügt sich durch den See, kreuzt den Weg einer schnellen Motorjacht und passiert langsam tuckernde Holzboote und dümpelnde Segelschiffe. Sommerzeit ist Schwerverkehrszeit auf dem Zürichsee ? Abgase im See die Folge. Zu den ausgesonderten Stoffen gehören Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide. Dieselbetriebene Schiffe stossen zum Teil zusätzlich Russpartikel ab.


Je grösser das Schiff, desto mehr Abgase gehen ins Wasser, könnte man annehmen. Dies ist jedoch falsch (siehe Kasten rechts). Es sind vielmehr die Sport- und Kleinboote, welche durch ihre Auspuffe unterhalb der Wasserlinie schädliche Spuren im Wasser hinterlassen. In welcher Menge, hängt vor allem von der Art des Motors ab, hat der emeritierte Kilchberger Limnologieprofessor Friedrich Jüttner in einer grossangelegten Studie herausgefunden. Obwohl 1994 beendet, ist es die einzige grössere Studie zu Schiffsabgasen, die bislang auf einem Schweizer See gemacht wurde.

Zweitakter besonders schmutzig


Als Motoren sind auf dem Zürichsee Zwei-Takt- und Vier-Takt-Motoren, die mit Benzin betrieben werden, sowie Dieselmotoren gebräuchlich. Zweitakter sind die grössten Schmutzproduzenten, fand die Forschungsgruppe um Jüttner heraus. Sie verglichen die Toxizität von Zweitaktern und Viertaktern auf Wasserflöhe und ein Leuchtbakterium. Dabei stellten sie fest, dass die Emissionen der Zweitakter die Versuchstiere um ein Vielfaches rascher töteten als Viertakter gleicher Leistung. Zudem blieb das Wasser bei Zwei-Takt-Motoren ganze zwei Wochen lag kontamimiert. Waren die zwei Bootsmotoren hingegen mit Katalysator ausgerüstet, war die Toxizität ihrer Abgase gering.


Auch die Geruchsemissionen von Zweitaktern erwiesen sich als gravierend: Liess die Forschungsgruppe einen Zwei-Takter mit einer Leistung von 15 kW eine Stunde laufen, machte dieser 11 000 Kubikmeter Wasser untrinkbar. Jüttner schloss deshalb: «Der effektivste Weg, die Verschmutzung zu reduzieren, ist, die Konstruktion der Motoren zu verändern und Katalysatoren einzubauen.»


Der Bootslobby gefielen Jüttners Studien ganz und gar nicht: «Wir bekamen riesen Ärger; die Bootslobby setzte uns massiv unter Druck, damit die Studie nicht publik wird.» Der Widerstand half nichts: Die Studie schlug sich nieder auf die europäische Gesetzgebung: Die neue Generation von Zwei-Takt-Motoren muss die Vorgaben für Vier-Takt-Motoren erfüllen. Diese europäischen Richtlinien gelten, abgesehen von den Grenzgewässern, seit Juni 2007 auch in der Schweiz.

Katalysatoren kommen erst auf


Nach wie vor verkehrten jedoch sehr viele herkömmliche Zweitakter auf dem Zürichsee, weiss Peter Jucker, Leiter der Schifffahrtskontrolle in Oberrieden. Dabei handelt es sich vor allem um kleine, leichte Aussenbordmotoren, wie sie häufig an Kleinbooten und Segelschiffen anzutreffen sind. Bis Ende Dezember 2017 sind sie offiziell noch zugelassen.


Katalysatoren, für Autos schon lange gebräuchlich, kommen im Schiffsverkehr nur langsam auf: Die ersten Motoren mit Katalysator sind erst seit Ende 2008 im Handel ? nur wenige davon sind auf dem Zürichsee zu finden. Ebenso verhält es sich mit den Partikelfiltern für Dieselmotoren: Laut der Verordnung über Abgasemissionen von Schiffsmotoren (SAV) sollten die Betreiber bei allen neuen Fahrgast- und Güterschiffen prüfen, ob die Filter technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar sind.


«Ich habe aber noch keines dieser Schiffe mit Partikelfilter ausgerüstet gesehen», sagt Jucker.

Wartung nicht von allen gefordert


Trotz herkömmlichen Zweitaktern auf dem Zürichsee, fehlenden Katalysatoren oder Partikelfiltern: Die Emissionen der Benzin- und Dieselboote auf dem Zürichsee bewegen sich unter den Grenzwerten ? zumindest bei 95 Prozent der Boote. «Letztes Jahr fielen 5 Prozent der Schiffe durch unsere Kontrolle», sagt Jucker. Wie viele davon wegen zu hoher Abgaswerte durchfielen, kann er jedoch nicht beziffern.


Vielfach ist jedoch fraglich, ob die Abgaswerte der kontrollierten Boote tatsächlich unter den Grenzwerten liegen. Die Bootshersteller garantieren zwar für zehn Jahre stabile Emissionen ? überprüfen allerdings kann die Schifffahrtskontrolle dies nicht. Um die Abgaswerte zu messen, müsste eine Sonde in den Motor eingeführt werden ? eine Vorrichtung, die bei neuen Booten fehlt. «Wir müssen uns deshalb ganz auf die Wartungsdokumente verlassen», gibt Jucker zu. Er glaubt jedoch, dass die Wartungen im Allgemeinen ordentlich gemacht werden. Anders verhält es sich mit den vor 1995 in die Schweiz eingeführten Schiffsmotoren, denn für diese bestand bisher überhaupt kein Wartungszwang. Erst ab Juni 2010 werden diese ein Wartungsdokument vorweisen müssen. Jucker ist überzeugt: «Diese Boote sind die wahren Verschmutzer ? ab Juni 2010 wird sich deshalb einiges verbessern.»

 
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Bruno Edelbauer


 
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