Online seit 28.01.2012 0:00
Experten halten Tunnellösung für machbar, aber zu teuer
Eine Verschandelung des Ortsbildes? So könnte das Tunnelportal an der Kreuzung Eigen-/Oberwachtstrasse dereinst aussehen. Skizze: zvg
Küsnacht. Das Ingenieurbüro Ernst Basler+Partner hat die Verkehrssituation im Küsnachter Dorfzentrum unter die Lupe genommen. Eine Untertunnelung würde zwar eine Entlastung bringen, wäre aber mit Kosten von rund 43 Millionen Franken verbunden.
Daniel Fritzsche

Der Gemeinderat Küsnacht hält nichts von einer Untertunnelung des Dorfzentrums. Er wird der Bevölkerung empfehlen, am 17. Juni an der Urne gegen ein solches Projekt zu stimmen. «Die hohen Kosten bringen einen relativ geringen Nutzen», begründet Gemeindeschreiber Peter Wettstein die ablehnende Haltung des Rats. Zudem sei der Eingriff in das gewachsene Dorfbild gross. Nicht abzuschätzen seien ausserdem die Risiken, welche ein Unterfangen in dieser Grössenordnung beinhalte.

Das Ingenieurund Planungsbüro Ernst Basler+Partner kommt zu einem ähnlichen Schluss. In einer Studie, die es im Auftrag der Gemeinde erarbeitet hat und die am Donnerstagabend der Öffentlichkeit präsentiert wurde, heisst es etwas umständlich: «Der Tunnel erreicht aufgrund der hohen Kosten einen stark negativen Nutzwert.» Ernst Basler+ Partner rechnet für den Bau des Tunnels mit 39 Millionen Franken (+/-20 Prozent). Dazu kämen 4 Millionen für die Umgestaltung der Oberwachtstrasse. Der Kanton würde sich finanziell nicht am Projekt beteiligen; die Gemeinde wäre auf sich allein gestellt. Frühere Schätzungen veranschlagten die Gesamtkosten bei rund 29 Millionen Franken.

Bauchschmerzen beim Portal

Zwar sei der Tunnel verkehrsund bautechnisch machbar, heisst es in der Studie. Ins Stocken geraten könnten die Arbeiten aber unter dem bestehenden SBB-Bahntrassee und beim geplanten Tunnelportal in der Eigenstrasse. Genau dieses Portal bereite ihm besondere Bauchschmerzen, sagt Patrick Ruggli, Planer bei Ernst Basler+ Partner. Die Situation auf der Kreuzung Eigen-/Oberwachtstrasse sei äusserst kleinräumig. «Das wird ganz heikel.»

Umständlich wären auch die Neuregelungen der Zufahrten zu den vom Bau betroffenen Grundstücken. Die Anbindung des Tunnels an die Oberwachtstrasse in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Kreisel beim Feuerwehrgebäude sei eine «verkehrstechnische Herausforderung». Wahrscheinlich müsste ein Doppelkreisel erstellt werden. «Keine leichte Aufgabe», sagt der Planer.

Nur noch ein Viertel Autoverkehr

Die Tunnellösung bringt aber auch Vorteile. So könnte die Verkehrsbelastung im Dorfzentrum gemäss Ernst Basler+ Partner von heute 12700 Fahrzeugen pro Tag markant auf 3500 reduziert werden und von 1100 Autos auf 300 in den Stosszeiten. Die entlastete Oberwachtstrasse könnte aufgewertet und fast schon zu einer «Quartierstrasse» umfunktioniert werden.

Ebenfalls möglich wäre es, die geplante Tiefgarage unter dem heutigen Parkplatz Zürichstrasse («ZSZ» vom 24. November) an den Tunnel respektive die bestehende Unterführung anzuschliessen. Dies wurde bereits von kantonalen Stellen geprüft und abgesegnet.

Drei Varianten

Letztlich würden die Nachteile der Tunnellösung aber überwiegen: die exorbitant hohen Kosten stünden in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen. Die Studie kommt zum Schluss, dass eine blosse Umgestaltung der Oberwachtstrasse eine sinnvollere Option für Küsnacht ist. Dort, wo heute ein Lichtsignal steht, soll künftig ein Kreisel den Verkehr führen. Eine neue Beleuchtung, ein multifunktionaler Mittelstreifen und sonstige kleinere Aufwertungen würden die Neugestaltung der Oberwachtstrasse komplettieren.

Diese bescheidenen Massnahmen würden rund 5 Millionen Franken kosten. Die Vorteile dieser Lösung lägen auf der Hand, sagt Planer Ruggli: «Sie ist günstig, bringt eine Verkehrsberuhigung und kommt ohne Eingriffe ins Ortsbild oder das Grundeigentum Dritter aus.» Die Stimmbürger können über diese «Schmalspur»-Variante ebenfalls am 17. Juni an der Urne befinden. Dann haben die Küsnachter also die Wahl: Wollen sie ein sehr teures, aber wirkungsvolles Tunnel, eine günstige, aber marginale Strassenaufwertung oder ganz einfach und unoriginell den Status quo?