Die Geschichte um die Richterswiler Abwasserreinigungsanlage (ARA) ist um ein Kapitel länger. Die marode Anlage müsste dringend saniert werden, aber seit Monaten muss der Richterswiler Gemeinderat warten und hoffen, dass die Steuerungsanlage für die Biologie und die Filtration in der ARA nicht aussteigt.
Ersatzteile sind für die 32-jährige Anlage keine mehr zu erhalten. Man müsste die Anlage behelfsmässig und provisorisch reparieren. Was dann wohl nicht nur den ARA-Angestellten, sondern auch den Anwohnern in der Mülenen stinken würde.
Grund für die Verzögerung des Sanierungsprojekts ist eine Beschwerde. Ein am Wettbewerbsverfahren teilnehmendes Ingenieurbüro hat sie am 25. Mai des vergangenen Jahres beim Verwaltungsgericht eingereicht, nachdem die Gemeinde Richterswil das Siegerprojekt bekannt gegeben hatte. Es gewann ein anderer Sanierungsvorschlag im mittleren Preissegement, und nicht das 1,5fach teurere Projekt des rekurrierenden Ingenieurbüros.
Klein, aber teuer
Fünf Büros hatte die Gemeinde Richterswil vor über einem Jahr eingeladen, Vorschläge für die Sanierung der ARA auszuarbeiten. Die eingereichten Projekte wurden von Fachleuten des kantonalen Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), Fachleuten einer externen Beratungsfirma, dem Richterswiler Gemeindeingenieur Hans Streiff sowie Behördenvertretern gemeinsam beurteilt. Das Siegerprojekt rechnet mit Kosten von circa 13 Millionen Franken. Es beinhaltet den Ausbau und die Sanierung der bestehenden Anlage. Das Ingenieurbüro mit dem teuersten Vorschlag rund 20 Millionen Franken empfiehlt einen Neubau des Projekts. Der Bau ist laut Gemeindepräsident Hans Jörg Huber (FDP) kleiner, ästhetischer und fügt sich diskreter in die Umgebung ein.
Am Rekurs «ist etwas dran»
Gemeindepräsident Hans Jörg Huber glaubt, dass am Rekurs, welcher zwei Entscheidungskriterien der Gemeinde anficht, «etwas dran ist, sonst wäre das Urteil vermutlich bereits gefallen». Von der Churer Kappeler Concept AG fühlt er sich schlecht beraten. Die Gemeinde hat die Firma beigezogen, weil sie auf die Beratung bei ARA-Sanierungen spezialisiert ist.
Bis Ende Februar müsste ein Entscheid des Verwaltungsgerichts vorliegen. Im schlimmsten Fall müsste das Projekt neu ausgeschrieben werden. Huber rechnet nicht damit, dass das Gericht die Gemeinde Richterswil dazu zwingt, das teuerste Projekt zu berücksichtigen. Aber «Schadenersatzforderungen könnten kommen», wie er sagt. «In dieser Anlage ist wirklich ein wenig der Wurm drin.»
2009 hatten die Stimmbürger den Kredit über 17,3 Millionen Franken für die Fusion mit der ARA Wädenswil aus Kostengründen abgelehnt. Eine Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde kommt laut Huber allenfalls wieder ins Gespräch, wenn die Stimmbürger den Kredit für die Sanierung verwerfen.
