Online seit 24.12.2011 0:00
Neues Gerät für sauberes Wasser in Afrika
Wasser Marsch: Markus Simmler eröffnet den Testlauf in der Kläranlage. Das Klärwasser läuft durch den schwarzen Schlauch in das «Waterflow»-Gerät links hinter Simmler. Darin wird es durch den eingebauten Filter und die UV-C-Röhre gereinigt und läuft durch den grünen Schlauch zum Durchflussmesser, den Simmler beobachtet. Bild: Thierry Haecky
Oberglatt. Mit «Waterflow» will Roland Widmer das verseuchte Wasser in afrikanischen Schulen und Spitälern säubern. Sein Gerät hat nun alle Tests in der Kläranlage Kloten/Opfikon bestanden.
Andreas Frei

Donnernd startet ein Airbus A340 der Swiss in Richtung Opfikon. Unter dem schweren Koloss, in der Abwasserreinigung Kloten/Opfikon, hat jedoch niemand ein Auge für das Flugzeug. Der Oberglatter Verein Aqua Pura testet dort sein neustes Wasserreinigungssystem, «Waterflow» genannt.

Im stetigen Regen hantieren Max Egli, Markus Simmler und Roland Widmer emsig mit Schläuchen, Pipetten und Schraubenschlüsseln. Drei verschiedene Systeme müssen sich bewähren, jenes für 200 Liter Durchfluss und die grösseren Geschwister mit 400 sowie 600 Liter Durchfluss.

Unter den Augen von Klärmeister Markus Fehr und den Zuschauern beginnt dann das Prozedere. Simmler reguliert den Durchflussmesser, Vereinsvizepräsident Egli kontrolliert das «Waterflow»-Gerät, und Präsident Widmer entnimmt Proben des gereinigten Wassers sowie zur Kontrolle und zum Vergleich solche des Klärwassers.

Die ersten Schwierigkeiten entstehen beim Wechsel vom 200-Literauf das 400-Liter-System. Das stabile Metallgehäuse erweist sich als zu stabil und lässt sich kaum mehr öffnen. «Es ist bewusst so massiv gebaut, damit es in Afrika nicht gleich kaputtgeht», erklärt Egli. Erst nach einigem Hämmern kann Simmler die UV-C-Lampe entfernen und den Filter untersuchen. Dieser ist sauber, da das Klärwasser kaum Dreck enthält. Im Einsatzgebiet Afrika wird das anders sein, dort ist das Wasser verschmutzt.

Betrieb fast ohne Wasserdruck

Während Markus Simmler das mittlere Gerät aufbaut, schwärmt er von einer Besonderheit des Systems: «Es kann fast ohne Druck betrieben werden.» Der Landwirt ist ein Mitbegründer des Vereins. Zusammen mit Widmer wollte er einst herausfinden, ob sein Hofwasser keimfrei ist.

Kaum ist das 400-Liter-System installiert, tauchen bereits die nächsten Probleme auf. Simmler hat vollstes Vertrauen in das Reinigungsvermögen und will den Durchfluss erhöhen, um die Möglichkeiten des Geräts am oberen Limit auszutesten. Widmer hat die ganze Messung wissenschaftlich vorbereitet und ist wenig begeistert von Simmlers spontaner Idee. Max Egli schlägt schliesslich den typisch schweizerischen Kompromiss vor. Nach den drei Proben und dem Wechsel zum 600-Liter-System wiederholt sich das Ganze. Simmler ist erst zufrieden, als Widmer versichert, dass er genügend Probeplatten hat, um auch einen Durchfluss von 1000 Litern zu testen.

Mittlerweile sind auch Peter Preisig, Präsident der Preisig AG, und Peter Schnyder zur Gruppe hinzugestossen. Schnyder betreibt in Uganda eine Primarund Sekundarschule, Preisig unterstützt ihn mit Technik und Sanitäranlagen. Nun interessieren sich die beiden für das saubere Wasser von Aqua Pura.

Nach einer knappen Stunde hat alles geklappt, die Proben sind entnommen und kommen nun für 24 Stunden in den Inkubator. Am nächsten Tag weiss Roland Widmer, ob «Waterflow» eingesetzt werden kann oder nicht.

Erwartungen übertroffen

Die Resultate enttäuschen nicht, sie übertreffen sogar alle Erwartungen. Die Befürchtung, dass die Sechs-Watt-UV-C-Röhre zu schwach für einen hohen Durchfluss sei, bewahrheitet sich nicht. Im Gegenteil, sogar die Probe aus dem Test mit 1000 Liter Wasser pro Stunde ist sauber. Das System ist besser als gedacht. Damit kann es bedenkenlos in Afrika eingesetzt werden. «Wir halten uns damit problemlos an die Trinkwassernormen in Europa», sagt Widmer stolz.

In den nächsten Wochen wird der Verein einen Standardtyp des Systems festlegen. Dieses wird dann in Afrika zum Einsatz kommen: in Schnyders Schule in Uganda sowie in einem Spital und einer Baptistenschule in Togo. In einer Schule in Kenia wird bereits jetzt ein 400-LiterSystem installiert. Das Brunnenwasser dort ist genau gleich verseucht wie das Klotener Klärwasser, das im Test zum Einsatz kam.

Gute Aussichten also für die Schüler und Patienten, die bald von «Waterflow» profitieren können.